Buchloer Zeitung vom 09.04.2002

Kunst aus Weicht verblüfft in München

Positive Bilanz nach einem Jahr "Beatz'n'Bytez"

Weicht Seit rund einem Jahr gibt es "Beatz'n'Bytez". Und die Macher des Musik- und Kunstprojektes aus Weicht, München und anderswo hätten allen Grund, ihr kleines Jubiläum groß zu feiern. Denn in den vergangenen zwölf Monaten hat sich das Projekt etabliert und sogar den Sprung in einen Münchner Club geschafft. Mit Rücksicht auf die "Hirsch"-Nachbarn musste die Feier klein, aber fein ausfallen.

Eine "multimedial unterstützte Audio/Video-Performance, bei der Live-Acts und DJs interaktiv mit neuen Medien agieren", so definieren die "Beatz'n'Bytez"-Macher ihr Projekt in einer Pressemitteilung. Was hinter dieser nicht gerade einfachen Erklärung steckt, erschließt sich auch dann erst allmählich, wenn man einen Auftritt des Projektes ­ wie kürzlich die Geburtstagsfeier im voll besetzten "Hirsch" ­ besucht.

Denn die Musiker spielen auf einer mit lichtdurchlässigem Stoff verhüllten Bühne. Der Stoff dient gleichzeitig als Projektionsfläche für einen Video-Projektor, der abstrakte, farbintensive Kunstwerke zaubert, die dauernd in Bewegung sind. Neben der ruhigen Tonkulisse, die Live-Musiker an Syntesizer, Bass und Schlagzeug zusammen mit DJs an den Plattentellern erzeugen, empfangen einen selbst auf der Toilette wirre Geräusche. Ein Gesamtkunstwerk, das man auf sich wirken lassen muss.

Musik, Geräusche und "visuals"

Musik, Geräusche und "visuals", also projizierte Video-Zusammenschnitte und Bilder, "sollen zusammenwirken, sich unterstützen", so Tom Simonetti, einer der "Beatz'n'Bytez"-Macher aus der Wohngemeinschaft (WG) in der Stockheimer Straße in Weicht. Weil sich in dieser Konstellation Musiker und Künstler immer wieder gegenseitig über die Schulter schauen, sei zusammen mit Georg Schillinig aus München die Idee entstanden, Kunst und Musik zu kombinieren. "Beatz'n'Bytez" biete den jungen befreundeten Künstlern und in der Medienbranche Tätigen die Möglichkeit, ihre Werke einmal in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Nach der Premiere im Lindenberger "Hirsch" vor einem Jahr hatte das rund zehnköpfige "Stammteam" mit wechselnden Musikern und DJs Auftritte in Schongau und Weilheim.

Durch Maxi Thomai, "Beatz'n'Bytez"-Mann, der beim Ludwig-Musical in Füssen eine Ausbildung absolviert, kam dann der Kontakt zum "Orange House", einem Club im alternativen Münchner Veranstaltungszentrum "Feierwerk" zustande. "Viele Veranstalter in der Provinz sind zunächst etwas kritisch, weil sich die nicht vorstellen konnten, was wir da machen." In München seien sie dagegen sofort auf Interesse gestossen, berich-tet Peter Müller, der ebenfalls zum "Beatz'n'Bytez"-Stammteam gehört.

Nachdem die Künstler aus dem Jengener Ortsteil zusammen mit ihren Kollegen aus dem weiteren Umkreis das "Orange Haus" in stundenlanger Arbeit mit vielen Metern Lautsprecher- und Stromkabel, Video- und Dia-Projektoren und vielem mehr für ihre Zwecke umgestaltet hatten, waren sie gespannt, wie das anspruchsvolle Stadtpublikum auf die "Performance" aus dem Allgäu reagieren. "Wir dachten, die Münchner kennen so etwas schon lange, aber die meisten der über 200 Gäste waren verblüfft und überrascht", freuen sich Simonetti und Müller. Der Auftritt in der Landeshauptstadt sei in jedem Fall gut gewesen, "um Referenzen zu sammeln und auf sich aufmerksam zu machen", sind sich die bei-den sicher. Trotz des Erfolges lebe "Beatz'n'Bytez" aber nach wie vor vom Idealismus der Macher. "Kohle verdienen wir keine damit", so Simonetti.

Auf dem Erfolg wollen sich die Multimedia-Künstler nicht ausruhen. "Neue Leute mit neuen Ideen" sollen künftig in das Team integriert werden. "Beatz'n'Bytez" soll in jedem Fall weitergehen und sich weiterentwickeln.
iInformationen und Bilder zu "Beatz'n'Bytez" gibt es im Internet unter

www.beatznbytez.de

Von Martin Frei